Startseiteel mundo StoriesLada-Tour ins Seidenland: Wüste, Wodka, Wunderland

Lada-Tour ins Seidenland: Wüste, Wodka, Wunderland

Die mystische Seidenstraße: Marco Polo, Samarkand und Dschinghis Khan. Was ist aus der einst wichtigsten Handelsroute zwischen Ost und West geworden? - extra-Redakteur Gerfried Wanker auf Lokalaugenschein in Usbekistan und Turkmenistan.


Überirdisch spiegelt sich der Strahl des Mondlichtes an den azurblauen Kachelringen des Islom-Xo´ja-Minaretts: eine Himmelsleiter, die geradewegs im sternenübersäten Firmament Zentralasiens mündet. Es herrscht eine beinahe unwirkliche Stille. Die Altstadt Khivas gleicht heute einem Freiluftmuseum, lediglich aus der Ferne dringen die letzten Geräusche der angebrochenen Nacht ans Ohr.
 
Die Seidenstraße: legendärer Karawanenweg zwischen Europa und China. Jahrtausende lang wurden hier Waren zwischen Abend- und Morgenland ausgetauscht: Seide, Porzellan und Gewürze in den Westen, Gold, Edelsteine und Glas in den Osten. Zentrale Zwischenstation am halben Weg war die heutige Republik Usbekistan. Das mystische Samarkand, das legendenumwobene Buchara und die Oasenstadt Khiva sind steinerne Zeugen des ehemalig blühenden Handels: Wunder des Orients in Weiß und Türkis, Jahrhunderte lang vergessen, heute monumentale Erinnerungen an das glanzvolle Antlitz der alten Welt. Auf den Basaren und in den Karawansereien trafen sich damals Menschen aus aller Herren Länder, in den Moscheen und Palästen blühten Wissenschaft und Religion.
 
Dann kamen vor 800 Jahren die plündernden Horden des Dschinghis Khan. Ein unsägliches Gemetzel begann, ganz Mittelasien lag in Trümmern, in den Städten blieben sechs Millionen Tote zurück. Doch auch 80 Jahre sowjetischer Schirmherrschaft haben ihre Spuren hinterlassen. Usbekistan und Turkmenistan sind heute Länder voller Kontraste: Lada-Karawane neben Eselskarren, Wodkastube neben Chaykana (Teehaus), Mobiltelefon neben Tjubetejka (der traditionellen Kopfbedeckung). Am Bazar von Taschkent (ehemals die viertgrößte Stadt der Sowjetförderation, heute usbekische Hauptstadt) ist das alte Handelsleben noch zu spüren. Daneben pulsiert eine moderne Millionenstadt. Das Nachtleben mit den drei passionierten Reisegefährten Manfred, Franz und Walter - alle im ?besten? Alter - kann da ganz schön anstrengend werden ?
 
Turkmenistan: Das ist zu 90 Prozent Wüste. Das sind ungeheure Erdgasvorkommen. Und das sind die faszinierendsten Reitpferde der Welt. Über all dem thront ein unbeschränkter Herrscher: der Turkmenbashi. Seit der Unabhängigkeit 1991 hat der Präsident auf Lebenszeit einen bombastischen Personenkult um sich aufgebaut. ?Halk, Watan, Turkmenbasi? (das Volk, die Nation, der Führer der Turkmenen) erinnert an markige Worte aus gar nicht so lang vergangener Zeit. Riesige Goldstatuen des Herrschers, Marmorpaläste ohne Ende und omnipräsent das Großporträt des Turkmenenführers haben der Hauptstadt Ashgabat im letzten Jahrzehnt ein völlig surreales Bild verliehen - Huxley´s  ?Schöne neue Welt? lässt grüßen. Auf die Frage, was das turkmenische Volk von dieser Politik hält, meint unser obligatorischer Begleiter Moussa kryptisch: ?I think, people like him?. Denn Achtung: Spitzel sitzen überall. Angeblich sind sogar sämtliche Hotelzimmer verwanzt ?
 
Kaum mehr als 5000 West-Touristen jährlich besuchen das Land. Wir haben mit Glück in kurzer Zeit eines der seltenen Visa bekommen, nach dem Sightseeing in Usbekistan steht jetzt Outdoor-Action auf dem Programm. Wir entschließen uns zu einer Wüstentour: 600 km querfeldein durch die ?Karakum Desert?, ausgerüstet mit zwei klapprigen Allrad-Ladas und jeder Menge Hammelfleisch. Nur rund 100 Besucher pro Jahr nehmen diesen Weg auf sich, geschlafen wird unter dem Sternenhimmel, und im einzigen Dörfchen entlang der Strecke in einer traditionellen Jurte.

Verrückt!
 
Unvergesslichster Anblick und eine der verrücktesten Sehenswürdigkeiten weltweit: der Darvaza Gaskrater. In den 60er Jahren ist dort eine Erdgaslagerstätte explodiert und hat ein riesiges Loch gerissen. Irgend jemand warf dann einen brennenden Autoreifen rein ? und seitdem lodert dort Tag und Nacht ein riesiges Feuer. Dantes Inferno ? und alles, was die Bibel und der Koran über die Hölle zu berichten wissen: Hier ist es zu sehen, in aller Schrecklichkeit, in aller Intensität. Es ist ein Ort der Finsternis, es ist der Höllenschlund.
 
Mitternacht. Stunden zuvor bin ich zum brüchigen Kraterrand gerobbt. Und schaue und schaue und schaue hinunter. Hinter mir der kalte Hauch der Wüste. Vor mir der warme Mutterschoß der Erde. Wohlige Verheißung, unendliche Anziehung. Nur noch ein Schritt und ?   Aus! Nur weg. Zum Teufel mit der Hölle. Lieber noch ein Schuss Wodka, und ab in den Schlafsack. Und dort von der nächsten Reise geträumt. Zum Beispiel von Kirgisien über Tadschikistan und den afghanischen Khyber-Pass ins chinesische Kashgar. So Gott will, vielleicht schon im nächsten Jahr ?

 

Infobox:

Das Grazer Reisebüro El Mundo (www.elmundo.at) bietet ab sofort Seidenstraßenreisen für Kleinstgruppen ab zwei Personen an - zu jedem beliebigen Abflugtermin und modulweise flexibel und in jeder Länge zusammenstellbar. Die spannende Kombination ?Kultur Usbekistan? und ?Wüste Turkmenistan? ist bei keinem anderen Veranstalter im Programm und mit ca. 2000 Euro unerreicht günstig. Info über Einreisebestimmungen, Reiseverlauf etc.: Manfred Weitzer 0316-810698

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